DIE ZEIT SETZT SICH EINE MASKE AUF Videokunst von Ralf Wirz

 

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Der Videokünstler Ralf Wirz verkleidet Bilder. Eine Verkleidung, die etwas anderes sichtbar macht. Denn das Gehirn nimmt nur einen Bruchteil dessen auf, was das Auge wahrnimmt. Ein Bild, das Raum beansprucht, befreit sich somit aus seiner Beiläufigkeit.

Die Verlangsamung in den Videos von Ralf Wirz transformiert Filmszenen zu Bewegungen, die schweben lernen und zu Klängen werden. Bilder aus einer anderen Zeit werden zu Tönen, die nachklingen und im Gedächtnis bleiben. Gespräche lösen sich auf, eine Kutsche rollt den Abhang hinunter, immer und immer weiter. Die Kamera verfolgt die Kutsche, sie rollt und rollt und rollt und zerschmettert dann. Man fragt sich, ob dieser Moment des Rollens so intensiv verlangsamt werden kann, dass das Rollen zum Stillstand wird und dadurch zu einem Zustand, in dem die Kutsche ihrem Schicksal entkommt.

Das Video wäre dann ein Zeitvakuum, das in seiner Begrenztheit Unendlichkeit erzeugt, und damit eine kurze Illusion der Unsterblichkeit aller Dinge.
Im Flimmern der Sekunden, in dem ein Leben fast unsichtbar erscheint, galoppieren lautlos die Bilder. Jede ihrer Bewegungen bleibt ein unterschwelliges Dröhnen.

Der Rezipient begegnet den Bildern. Er bleibt stehen, hält in seiner Bewegung inne. Die Zeit läuft weiter, Sekunde ist gleich Sekunde und wiederholt sich dadurch in sich selbst. Erst die Bilder füllen die gleichförmige Zeit, es entsteht Erinnerung und Gegenwart.
Voller Selbstironie wollen die ständig auf den Stillstand zusteuernden Bilder von Ralf Wirz uns weismachen, es gäbe sie, die Ewigkeit, Beständigkeit, dabei scheint die Ewigkeit furchtbar, der Körper im Video rennt und windet sich, die Bedrohung kommt unweigerlich näher, denn die Zeit verändert den Menschen. Und möchte er sie festhalten, zieht er sich eine Maske auf und läuft mit langen Schritten davon. Es ist ein Traum, ein Glockenläuten, in dem die Bilder sich selbst verfolgen. ( Text: Theresa Serafin  / Nina Montini )

Ort: Monduli Juu Ausstellungsraum Lütznerstr. 61        04177 Leipzig

Ausstellungsdauer: 27.01.2013 bis 27.02.2013

http://www.mondulijuu.wordpress.com

ANTAGONISTEN AUF DERSELBEN BÜHNE Foto/Video/Text Theresa Serafin

Über fünf Monate betrachtet eine Kamera den Verwesungsprozess einer Katze. Die tote Hülle beginnt sich zu bewegen. Die Natur verformt den Körper, löst seine Konturen, lässt ihn zerfließen und von Tag zu Tag die ursprünglichen festen Formen zu immer weniger bestimmbaren, abstrakteren Formstrukturen werden. Der Tod ist hier kein Stillstand, sondern sichtbare Bewegung und Veränderung. Diese wird auf einem Bildschirm dokumentiert. Auf einem anderen Bildschirm regt sich, dem gegenübergestellt, in manchmal kaum wahrnehmbaren Bewegungen der lebendige Körper einer Katze. Dabei wird das Tier niemals ganz sichtbar, sondern das Fell als form freie  in sich bewegte Oberfläche betrachtet. Atmung, Muskelanspannung und leichtes Zucken lassen das Fell zu einem organischen Abstraktum werden. Tod und Leben werden somit zu Antagonisten auf derselben Bühne, die gleichberechtigt nebeneinander stehen. In ihren bewegten Formen beginnen sie miteinander zu kommunizieren und werfen die Frage nach ihrem Zusammenspiel auf.Die lebendige und die tote Katze bekommen durch die Fernseher neue Körper, die ihr Licht auf die Straße werfen.

Fundort der Katze: Lützner Straße, Oktober 2011

Eröffnung: Samstag 15. Dezember 19h                                                  

Ort: Monduli Juu Ausstellungsraum  Lütznerstr. 61  04177 Leipzig Ausstellungsdauer: 15.12.2012 – 15.1. 2013

www.mondulijuu.wordpress.com

Über Forschung & Nippes von Zoe Claire Miller

Allein schon die gewählten Begrifflichkeiten stellen den Betrachter der Keramikobjekte von Zoë Claire Miller vor große Herausforderungen; oder besser gesagt geben diese Überschriften dem geneigten Rezipienten einen ersten Schlüssel zur Hand, dessen Nutzung ein gewaltiger Spaziergang durch diverse kulturgeschichtliche Bereiche eröffnet. Aber zunächst zu dem ganz sinnlich manifesten Werk: angeordnete Keramik in den Schaufenstern des kleinen Ausstellungsraumes Monduli Juu, Lütznerstr.61 in Leipzig. Farblich vorherrschend sind türkise, grüne und blaue Glasuren, die sich deutlich von der weißen Wand abheben. Die Anordnung verläuft von rechts unten nach links oben – und bildet nach den Worten der Künstlerin einen Blumenstrauß. Ein jedes Keramikfragment ist ein handgeformtes Unikat, welche zuweilen ähnliche Motive zeigen. Dekorativ und gefällig, könnte man nun sagen – Nippes. Aber für eine weitere Betrachtungsebene ist es wesentlich die Vorgehensweise der Künstlerin kennenzulernen: Ausgangspunkt ist der Erwerb eines blumenstraußförmigen Pokals der Motorsportfreunde Spreeteufel e.V. des Jahres 2002 in einem Berliner Haushaltsauflösungsladen. Nach dem Erwerb folgt eine Web-Recherche, um mehr über den Pokal zu erfahren. Abdrücke werden genommen – Grundlage für die hier zu sehenden Keramiken. Es entsteht eine Art Archäologie, die uns in die Unbekanntheit jüngster Vergangenheit und fremden Brauchtums entführt. Hier findet anschauliche Forschung auf höchster poetischer Ebene statt. Florian Simon

Eröffnung: Samstag 10.November 19h

Ausstellungsdauer: 10.11 – 7.12. 2012

http://www.zoemiller.eu

http://www.galerie-europa.eu